Gedankengarten. Nachdenkliches rund um Dinge des Alltags

 

Eine Schnittstelle zwischen Spender und Spendenzweck.

Auf http://www.spendendosen.de/shop/Default.asp?ag=7 kann man sie sich ansehen: Die klassische Weißblech-Spendendose wird wieder hergestellt. Sie ist wie ehedem pulverbeschichtet, abschließ- ober plombierbar und mit einem speziellen Mechanismus ausgestattet, der dafür sorgt, daß man das einmal eingeworfene Geld nicht wieder herausschütteln kann – drin ist drin. Der Anbieter wirbt außerdem mit einem schön großen Griff, an dem man die Büchse auch mit Handschuhen gut festhalten kann.

Spendendosen dieser Art gibt es seit der Zeit der großen Straßensammlungen, in Onlineauktionen kann man verbeulte Exemplare aus dem Dritten Reich finden, möglicherweise gab es sie schon deutlich früher. Ich selbst habe mit sowas fürs Jugendrotkreuz die Häuser meines Vororts abgesammelt, als ich etwa 12 Jahre alt war. Daß etliche der Damen da erstmal ihren Mann fragen wollten, erklärte ich mir damals mit ihrer Unbedarftheit, aber vielleicht war es einfach nur eine Ausrede.

Jedenfalls ist die Spendendose das, woran sich der Sammler festhalten kann. Sie steht für einen integren Zweck und vor allem für die seriöse Durchführung. Schon wegen der Plombe. Aber wenn man sie schüttelt, dann steht das massige Klimpern auch dafür, daß schon viele andere Leute den Sammelzweck gut fanden. Eine schwere Sammelbüchse trägt ihre eigene Reputation sozusagen in sich. Und natürlich ermöglicht das auch Mißbrauch.

Worauf ich aber hier hinaus will, ist etwas anderes: Die Spendendose koppelt den Geldgeber vom Spendenzweck ab, und das ist vorteilhaft. Der Spender braucht sich vor keiner Kontrollinstanz zu rechtfertigen, er muß nicht überlegen, ob ein anderer seine Spende hoch genug findet, sondern er legt nur vor seinem eigenen Gewissen und seiner Vernunft Rechenschaft ab. Zugleich müssen diejenigen, die mit der Spende arbeiten, den Geber nicht in scheinbare Kooperationen integrieren, sie brauchen ihm keine Gegenleistungen anzubieten, müssen sich nicht revanchieren und müssen auch nicht Rechenschaft vor ihm ablegen. Auch sie werden durch diese Trennung auf ihre eigene Verantwortung zurückgeworfen.

Ein jahrhundertealter Vorläufer der Spendensammeldose ist der Opferstock, wie man ihn beispielsweise unter http://www.kirchenausstattung.at/opferstock-eckeinwurf-oben-165-125-p-1395.html finden kann. Er schützt die Anonymität des Gebenden völlig, indem er Geber und Empfänger völlig voneinander abkoppelt.

Wie ich in meinen beiden Büchern "Der Spendenkomplex. Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen" und "Die verkaufte Verantwortung. Das stille Einvernehmen im Fundraising" (beide sind z. B. über www.amazon.de zu finden) zeigen konnte, ergeben sich aus dem unmittelbaren Naheverhältnis zwischen Initiativen, Spendern und Fundraisern erhebliche Probleme hinsichtlich der Integrität der Spendenakquise. Ventile wie Opferstock und Spendendose können dazu beitragen, daß das Spendengeschäft nicht als Selbstdarstellungszirkus und Überrumpelungsaktion von Menschen mit handfesten Eigeninteressen mißverstanden wird.

 

Alles fließt und alles rollt.

Von dem Anbieter originellen Spielzeugs für Computerfreunde Getdigital www.getdigital.de kann man Kugelbahnen kaufen, die es in sich haben. Zwar ist der Aufbau eine längerwährende Angelegenheit, bei der man auch den Verlust mancher Plastikteile infolge Materialbruchs beklagen wird – aber das Ergebnis entschädigt für all die Mühen. In drei größen kann man sich Kugelbahnen bauen, auf denen 12-mm-Stahlkugeln mal langsam, mal schneller über die vorgegebenen Strecken laufen, Loopings vollführen, von einem kreisenden löffenlartigen Bagger weitergeführt werden oder auf Weichen abwechselnd nach links und nach rechts weiterrollen. Eine archimedische Schraube bringt sie wieder an den Start, do daß die Sache unaufhörlich weitergeht. Ständig kommen Kugeln wieder oben an, ständig zischen sie über die verschiedenen Bahnen nach unten.

Das hat etwas ungemein Harmonisierendes, es entspannt und beruhigt. Vor allem aber zeigt es, daß es letztlich doch immer weitergeht, auch wenn manche Teilstrecke mit verminderter Geschwindigkeit gefahren wird. Wenn alles funktioniert, ist das auch der Triumpf des Bastlers, der die unzähligen Haltevorrichtungen millimetergenau ausrichten muß, damit die Kugeln nicht unterwegs irgendwo hängenbleiben. Ein schönes Spielzeug, nominal ab 15, aber bestens geeignet für Eltern mit Kindern und insbesondere für das Kind im Manne.

Ich investiere ständig in eine bessere und schnellere Büroausstattung!

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